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Ja .... ich bin durch. Meine Trondheim - Oslo Erfahrung

Sonntag Morgen 1:30 Uhr fahre ich in Oslo über die Ziellinie.

Aber jetzt von vorne.  Schon im Winter haben sich Stefan und ich für die Styrkeproven (Trondheim – Oslo) angemeldet. Vor der Anmeldung habe ich einige unruhige Nächte gehabt. Ein Wechselbad der Gefühle. Mal dachte ich jetzt hast du es übertrieben, das wird zuviel. Dann wieder, klar schaffst du das, ist doch nur Kopfsache….. Letztlich habe ich mich angemeldet, denn nur davon träumen bringt es nicht und jünger werde ich auch nicht mehr. Also jetzt oder nie.

Ab der Anmeldung hat sich die Lage dann beruhigt. Ich hatte ein Datum, ein klares Ziel und konnte mich darauf vorbereiten. 3500 Km zu fahren habe ich mir vorgenommen, und zwar mit mehreren langen Einheiten dabei. So bin ich schon im März 150 und 160 Km gefahren. Im April dann 200 und im Mai 200 bis 270 Km mit einigen Höhenmetern. Für den Juni stand die Generalprobe an. Ich bin von Lahr über den Schwarzwald zum Hochrhein, in der Nacht um den Bodensee und dann über Hoch- und Oberrhein wieder zurück. Das waren 610 Kilometer und davon 9 Stunden im Regen. Gebraucht habe ich etwa 35 Stunden mit einigen Pausen. Von da an wusste ich, ich werde es schaffen. Schlimmer kann es nicht kommen

Leider musste Stefan seinen Start wegen Knieproblemen absagen. So war ich also alleine. Zum Glück erfuhr ich bei Fahrrad Schulz von einem zweiten Verrückten aus Lahr der in Norwegen starten wollte. Den habe ich angerufen und sofort entstand ein guter Kontakt. Helmut Munz hat mein Fahrrad und mein Gepäck in sein Wohnmobil geladen und nach Norwegen mitgenommen. So musste ich nur mit kleinem Handgepäck nach Oslo fliegen, wo mich Helmut am Flughafen abholte. Wir sind dann mit dem Wohnmobil auf der E6, das ist im wesentliche die Fahrradstrecke, nach Trondheim gefahren. So habe ich die Landschaft und die Strecke schon mal kennen gelernt.

Am Freitag, dem Tag vor dem Start haben wir vormittags unsere Startnummern abgeholt und danach stand der Tag zur freien Verfügung. Es herrschte eine ganz eigenartige Stimmung. Überall waren Rennradfahrer unterwegs, aus jedem Zug, jedem Schiff und jedem Bus stiegen  Rennradfahrer. Da war schon einige Spannung in der Luft. An Schlafen vor dem Start war nicht zu denken, so habe ich mir das EM Spiel Deutschland Griechenland angesehen, ein kleines Bierchen getrunken, mich angezogen und die Ausrüstung im Rucksack verpackt. Dann bin ich langsam zum Start gerollt.

Es war noch taghell um Mitternacht. Der Count Down für meinen Startblock war um 0 Uhr 25. Und endlich durfte ich das machen worauf ich mich seit Monaten vorbereitet habe. Fahren, fahren, fahren……       Zunächst ging es wie bei den Profis durch Absperrgitter Richtung  Siegesdenkmal irgend eines Norwegers, drum herum und dann immer mit Vorfahrt über alle Kreuzungen und unter Applaus der Trondheimer aus der Stadt hinaus. Man fährt dann an einem Verkehrsschild vorbei auf dem steht Oslo 540 Km. Na servus, du hast es so gewollt.

Danach geht es erst mal aufwärts. In etwa 140 Kilometer erreicht man den höchsten Punkt der Tour mit 1060m. Bis dahin ist man aber schon etwa 2000 Höhenmeter gefahren, weil es ständig in Wellen auf und ab geht. Es folgt eine Hochebene von etwa 30 Kilometer die immer sehr windig ist. Natürlich kommt der Wind von vorne. Trotz eifrigen Suchens habe ich keinen Windschatten gefunden. Ausgerechnet hier war kein Mensch unterwegs. Dann eben alleine, und hinunter nach Dombas. 190 Km sind es bis hier her und etwa 8 ½ Stunden. In Dombas habe ich mir erst mal eine große Tasse Kaffee gekauft und zwei süße Stückchen dazu, schließlich war Frühstückszeit.

Nach Dombas kommen 100 relativ angenehme Kilometer, leicht abwärts und wenig wellig. Ich habe mich nun mit 4 deutschen,  2 Ossis und 2 Tauberbischofsheimer zusammengeschlossen und zu fünft sind wir bis ins Ziel gefahren. Anfangs immer im Wechsel vorne. Lillehammer war das nächste große Etappenziel nach 350 Kilometer. Es war schon Nachmittag und die Füße haben gequalmt. Hier haben wir uns eine halbe Stunde Pause gegönnt, ordentlich gegessen und ein bisschen ausgestreckt. Dann ging es weiter.

Was auf den letzten 190 Kilometern kam, habe ich schon oft gehört oder gelesen, „Wellen“ von ca 150 Höhenmetern, hintereinander weg, die einem den letzten Zahn ziehen. Und so war es dann auch. Man fährt neben einem großen See her, aber die Straße geht ständig auf und ab.

Können die ihre Straße nicht am Ufer bauen? Das ging so bis ins Ziel. Selbst in Oslo, als man dachte jetzt geht es runter ans Wasser und dann ist Schluss. Nichts war es. Wieder ging es hoch. Zuerst auf der für uns gesperrten Autobahn und dann auf einer endlosen Industriestraße um halb Oslo herum. Immer auf und ab. Dabei regnete es seit etwa 5 Stunden. Aber in jedem Buswartehäuschen und in jedem Garten, auf jedem Kreisverkehr waren Menschen, mitten in der Nacht und haben uns mit heia, heia, heia angefeuert. Da mobilisiert man seine letzten Kräfte. Und endlich noch einmal rechts herum, und…..   aufwärts. Aber nur noch 200 Meter. Dann war das Ziel erreicht.

Sofort stürzen zwei Mann auf einen zu, der eine hängt einem eine Medaille um und der andere reißt den Transponder vom Rad. Das war´s dann. Da bin ich etwas betröppelt im Regen gestanden und habe versucht mein Bein über den Sattel zu bekommen. Irgendwann hat es geklappt. Jetzt einen Teller Eintopf, eine Dose Bier und dann schlafen.

So ging eine große Fahrt relativ unspektakulär zu Ende. Wenn Ihr mich jetzt fragt ob ich das noch mal fahren würde,     ja sofort.    Es war eine tolle Sache, 540 Kilometer über gesperrte Straßen, wie die Profis. In jedem Kreisverkehr waren zwei Leute und haben die Autos gestoppt wenn Radfahrer kamen und haben uns angefeuert. Das ganze mit 2500 Gleichgesinnten. Ein großes Erlebnis, das sicher noch lange nachwirkt.

DatumKlicks
Total1284
Do. 301
Mi. 291
Di. 281
So. 262
Sa. 251
Fr. 241
Do. 231
Di. 211
So. 192
 
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